Anti-Schwarzer Rassismus

Der Mord an George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis hatte nicht nur in den USA zu anhaltenden Protesten gefĂŒhrt: Am 6. Juni 2020 versammelten sich in zahlreichen StĂ€dten auf der ganzen Welt Tausende Menschen, um fĂŒr Schwarzes Leben und gegen Rassismus zu protestieren. Im benachbarten DĂŒsseldorf gab es eine große Demonstration, an der auch Solinger BPoC teilnahmen. Im Zuge der Diskussionen um die Ereignisse veranstaltete das Diakonische Werk zwei Videokonferenzen mit Solinger BPoC, um Raum fĂŒr das Teilen eigener Rassismus-Erfahrungen zu öffnen und um wahrzunehmen, inwieweit das Thema in Solingen weiter bearbeitet werden sollte.

Die geschilderten Erfahrungen zeigen auf: Auch in Solingen ist die rassistische Diskriminierung von BPoC in verschiedenen Handlungsfeldern gegenwĂ€rtig. Gleichzeitig wurde ein Mangel an Vernetzungsstrukturen und Empowerment-Angeboten in Solingen deutlich, die BPoC mit Diskriminierungserfahrungen Zugänge zu Hilfe und Empowerment ermöglichen würden. Auch sind die Rassimus-Erfahrungen von BPoC in der weißen Solinger Mehrheitsgesellschaft aufgrund mangelnder Plattformen öffentlich bislang nicht wahrnehmbar.

Aus diesen ersten Schritten heraus entstand das durch „Demokratie leben!“ geförderte Projekt „Power of Color: Empowerment-Strukturen für BPoC in Solingen“. Ziel des Projekts war der Aufbau von Vernetzungs- und Empowermentstrukturen von Solinger BPoC. Erste Schritte der Vernetzung sowie gemeinsame Veranstaltungen konnten gestartet werden. Gleichzeitig wurde von den beteiligten BPoC und vom TrĂ€ger (Diakonisches Werk) der Wunsch und Wille geĂ€ußert, das Projekt fortzuführen. Dabei ist eine konkrete Projektidee entstanden: “Black Bib”, die Schaffung einer Bibliothek, in der ausschließlich die Werke Schwarzer Autor*innen zu finden sein sollen. Die Bibliothek soll zudem ein Ort sein, den die Community gestalten kann und wo Workshops und Kulturangebote stattfinden können. Der erste Schritt ist die Anreicherung des bereits vorhandenen “Regal der Vielfalt” in der Stadtbibliothek Solingen mit Werken Schwarzer Autor*innen. Außerdem wurden Workshops und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen gewĂŒnscht:

– Benachteiligung von POC in Medizin/Gesundheit
– Berufliche Bildung und UnterstĂŒtzung von POC bei beruflichen Fragen – Weiterarbeit am Projekt „Black Bib“
– Rassismus in Sprache
– Beratungen
– Betroffenenperspektive gegenĂŒber Institutionen stĂ€rken
– White Privilege

In der Solinger Mitte-Studie zeigt sich, dass 6 % der Gesamtbevölkerung der Aussage zustimmen, dass es eine „natĂŒrliche Ordnung zwischen schwarzen und weißen Völkern“ gebe. Immerhin 3 % stimmen der Aussage zu: „Die Weißen sind zu Recht fĂŒhrend in der Welt.“ Auch wenn die Anteile gering erscheinen, sprechen wir hier von einer in absoluten Zahlen gesprochenen Menge von ca. 9.600 bzw. 4.800 Menschen in Solingen, die diese Aussagen treffen wĂŒrden. Ein Bildungseffekt zeigt sich in der Tatsache, dass 5 % der Personen mit max. mittlerem Bildungsabschluss mehreren rassistischen Aussagen zustimmen, wĂ€hrend Personen, die eine lĂ€ngere formale Bildung in Schule, Ausbildung oder Hochschule durchlaufen haben, nur zu einem Anteil von unter 1 % zustimmen.

Anti-Schwarzer Rassismus wurde 2018 EU-weit sowie 2021 in der bundesweiten Mitte-Studie erfasst. Die Zahlen in diesen Studien sind besorgniserregend: In der EU-Studie “Being Black in the EU“ gaben 48 % der Schwarzen Menschen in Deutschland an, in den letzten fĂŒnf Jahren rassistische Anfeindungen erfahren zu haben. EU-weit waren es 30 %. Konkret machten in Deutschland 31 % der Schwarzen im Berufsleben und 33 % bei der Wohnungssuche Rassismuserfahrungen.

In der bundesweiten Mitte-Studie stimmten 10,5 % der Befragten der Aussage zu, Schwarze Menschen sollen dankbar sein, in Deutschland leben zu dürfen. 9 % gab an, starke oder überwiegende Antipathie gegenüber Schwarzen Menschen zu haben.

Die Fachgruppe Anti-Schwarzer Rassismus wurde initiiert und setzt unter Einbeziehung der Betroffenenperspektive folgende Aufgaben um:

  • Ermittlung des Bestandes der AktivitĂ€ten im Themenfeld
  • Benennung von Bedarfen
  • Entwicklung von Zielen
  • Entwicklung struktureller Maßnahmen und Projekte