Solinger Unternehmen setzen Signal für Vielfalt

Fotos: Niklas Hirschfeld, codecentric AG

Vielfalt ist gesellschaftliche Realität in Solingen. Von rund 163.000 Solingerinnen und Solingern haben 57.460 einen Migrationshintergrund, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 35,2 Prozent (Stand April 2019). Spiegelt sich diese Wirklichkeit auch in der Arbeitswelt wider? Können Menschen unabhängig von ihrer Herkunft Chancen und Zugänge zu unterschiedlichsten Beschäftigungsverhältnissen wahrnehmen?

Im Rahmen der Solinger Nachhaltigkeitsstrategie wurde als viertes strategisches Ziel „Entfaltung einer von Toleranz und Akzeptanz geprägten Stadtgesellschaft“ formuliert. Bis 2030 sollen in Solingen die Rahmenbedingungen geschaffen sein, durch die alle Menschen ohne Diskriminierung in der Gesellschaft leben können. Umgesetzt werden soll dieses Ziel u.a. durch die „interkulturelle und inklusive Öffnung von Einrichtungen und Unternehmen“.

Daran schließt die lokale Umsetzung des Prozesses NRWeltoffen Solingen im Handlungsfeld Arbeit und Wirtschaft an. Durch ihren Beitritt zur Charta der Vielfalt warben Solinger Unternehmen im Rahmen eines Pressegesprächs mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach für mehr Vielfalt in der Arbeitswelt. Gleichzeitig setzten sie damit ein wichtiges Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen und -formen.

 

Die Unternehmen:

Sie alle sind in Sachen Vielfalt bereits gut auf dem Weg. „Bei uns sind 70 Prozent der Belegschaft nicht deutschstämmig“, betont Hartmut Gehring von Gehring Schneidwaren.

Für Rainer Vehns, codecentric AG, sind vielfältig aufgestellte Teams ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg: „Unsere Talente bei codecentric verbindet die Leidenschaft für Software und Innovation. Vorurteilsfreie Zusammenarbeit und Vielfalt in der Unternehmenskultur sind für uns daher selbstverständlich.“

Eckardt Saueressig, Welding Specialists Team GmbH, engagiert sich seit vielen Jahren erfolgreich für die Ausbildung von Jugendlichen mit unterschiedlichsten Lebensläufen und fordert gesetzliche Verbesserungen im Bleiberecht für Geflüchtete, die im Betrieb ausgebildet wurden: „Wie geht das zusammen, dass wir Fachkräftemangel beklagen und gleichzeitig Geflüchtete, die zu Fachkräften geworden sind, von Abschiebung bedroht sind?“

Die Förderung und Unterstützung von Geflüchteten treibt auch BIA intensiv voran. Erste Auszubildende sind gerade fertig geworden. Doch es ist ein steiniger Weg. Dazu Barbara Eufinger: „Wir werden auch in Zukunft nicht müde, hier die Unterstützung der Behörden einzufordern, damit auch kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe nicht mit der unglaublichen Bürokratie, die notwendig ist, überfordert werden.“

Mirka Hellemacher und Nadine Haßlöwer vom 2005 gegründeten Institut für soziale Inovation sind überzeugt, dass sich die Mühe auszahlt. „Vielfalt und das Zusammenkommen unterschiedlichster Perspektiven stellen am Ende immer einen Mehrwert dar.“

Dem Termin der Unterzeichnung der Charta kam dabei eine besondere Bedeutung zu, wie Oberbürgermeister Tim Kurzbach hervorhob: „Der 29. Mai ist der Tag, an dem wir des schrecklichen Brandanschlags von 1993 gedenken. Dass Solinger Unternehmen an diesem Tag durch ihre Unterschrift der Charta der Vielfalt gemeinsam ein Zeichen für mehr Vielfalt in der Arbeitswelt setzen, stimmt mich im Blick auf die Zukunft unserer Stadt hoffnungsvoll.“

Im Rahmen von NRWeltoffen Solingen sollen in diesem Jahr weitere Schritte folgen: Dazu gehört zum einen, Barrieren zu identifizieren und abzubauen, die der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Weg stehen sowie neue Solinger Unternehmen für die Charta der Vielfalt und ihre Werte zu gewinnen. Wolfgang Arzt vom Diakonischen Werk koordiniert die Idee gemeinsam mit Anne Wehkamp, Leiterin des Stadtdienstes Integration und Lea Pistorius von der Wirtschaftsförderung.

Link: Friedliches Zusammenleben – Solinger Firmen setzen auf Vielfalt (Solinger Tageblatt, 30. Mai 2019)

  • Handlungsfeld: Arbeit und Wirtschaft
  • Träger/Kooperationspartner: Stadtdienst Integration und Diakonisches Werk des Ev. Kirchenkreises
  • Kontakt: Wolfgang Arzt, Tel. 0212 290-2603, wolfgang.arzt [at] evangelische-kirche-solingen.de