Ausgangssituation in Solingen

Mahnmal zum Gedenken an den Brandanschlag auf Familie Genc. Foto: Daniela Tobias

In den letzten Jahren ist Solingen, Ă€hnlich wie andere StĂ€dte in NRW, verstĂ€rkt mit dem Thema Zuwanderung konfrontiert gewesen. Dies heißt aber nicht, dass es sich dabei um ein neues PhĂ€nomen handelt. Erhöhte Wanderungsbewegungen konnten (nicht erst) seit GrĂŒndung der Bundesrepublik immer wieder beobachtet werden. So hatte die Stadt Solingen, deren Industrie stark von der Schneidwarenindustrie geprĂ€gt ist, in den 1960er und 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Bedarf an ArbeitskrĂ€ften in einem nicht unerheblichen Ausmaß durch Zuwanderung aus dem Ausland abgedeckt.

Ohne auf die verschiedenen Wanderungsbewegungen eingehen zu wollen, kann festgehalten werden, dass sich Solingen im Laufe der Jahre zu einer interkulturellen Stadt entwickelt hat, in der Menschen aus rund 140 verschiedenen Nationen ihr Zuhause gefunden haben. Statistisch gesehen hat rund ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Auch wenn Integration seit Jahren ein zentrales Thema der Stadtpolitik darstellt, existieren auch in Solingen antidemokratische Tendenzen. Wohin rassistische und volksverhetzende Aktionen gegen Zuwanderinnen und Zuwanderer fĂŒhren können, hat die Stadt 1993 miterleben mĂŒssen, als eine Solinger Familie mit tĂŒrkischem Migrationshintergrund Opfer eines rassistisch motivierten Brandanschlages wurde, bei dem fĂŒnf Menschen starben.

Demonstrationszug des Jugendstadtrats zum Gedenken an die Novemberpogrome. Foto: Daniela Tobias

In den vergangenen Jahren gab es eine Vielzahl von AktivitĂ€ten und Maßnahmen in Solingen in Bezug auf die Sensibilisierung gegenĂŒber PhĂ€nomenen des Rechtsextremismus und des Rassismus, welche von der Stadtverwaltung, freien und WohlfahrtsverbĂ€nden, BĂŒndnissen, Vereinen, Initiativen oder von Migrantenorganisationen durchgefĂŒhrt wurden. Vor dem Hintergrund des Brandanschlags im Jahr 1993 hatte sich die Stadtgesellschaft zum Ziel gesetzt, Rechtsextremismus und Rassismus in Solingen intensiv zu bekĂ€mpfen. So wurden verschiedene Initiativen zu diesem Zweck gegrĂŒndet. Um verschiedene Kooperationspartner besser zu vernetzen und Ressourcen effektiver zu bĂŒndeln, wurde im Jahr 2000 das Solinger „BĂŒndnis fĂŒr Toleranz und Zivilcourage – gegen Extremismus und Gewalt” gegrĂŒndet. Die Arbeit des BĂŒndnisses wird vom BĂŒndnisbeirat unter dem Vorsitz des OberbĂŒrgermeisters gestaltet. Dem Gremium gehören Vertreterinnen und Vertreter relevanter Gruppen der Stadtgesellschaft an.

Das breite zivilgesellschaftliche BĂŒndnis „Solingen ist Bunt statt Braun“ organisiert anlassbezogen Demonstrationen und Versammlungen zur Willkommenskultur und positioniert sich mittels friedlicher Aktionen gegen rechtsextreme und rassistische Umtriebe in der Stadt. Das Netzwerk der Solinger Schulen im Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist inzwischen auf acht weiterfĂŒhrende Schulen angewachsen und engagiert sich in vielfĂ€ltigen Formen fĂŒr eine pluralistische und demokratische Stadtgesellschaft.