„Komm mit“ – Gemeinsam gegen Antiziganismus

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Was bedeutet es, wenn wir über Sinti, Roma und Jenische sprechen? Welche Geschichten kennen wir? Und welche Vorurteile stecken vielleicht noch in unseren Köpfen? Und was können wir selbst tun, wenn Menschen diskriminiert werden? Genau hier setzt „Aven Amenza“ an. Der Name kommt aus dem Romanes und bedeutet „Komm mit“. Das neue Bildungsprojekt des Kommunalen Integrationszentrums Solingen lädt Jugendliche dazu ein, Sinti, Roma und Jenische kennenzulernen: ihre Geschichte und Kultur ebenso wie ihre Lebensrealitäten heute.

Dabei geht es nicht nur um Wissen. Die Jugendlichen sollen miteinander ins Gespräch kommen, Menschen begegnen, Erinnerungsorte besuchen und eigene Erfahrungen machen. Denn Antiziganismus lässt sich nicht allein aus Büchern verstehen. Wer Vorurteile abbauen will, muss ihnen auf den Grund gehen, Perspektiven kennenlernen und lernen, Diskriminierung zu erkennen und ihr etwas entgegenzusetzen.

Bis zu 25 Schüler:innen der Klassen 9 bis 12 können von November bis April dabei sein. Vier Termine führen sie von der Beschäftigung mit Sprache und Identität über die Erinnerung an die Verfolgung im Nationalsozialismus bis hin zu Kultur, Begegnung und eigenem Engagement.

Los geht es am 5. November, dem Internationalen Tag der Sprache Romanes. Im Haus der Jugend lernen die Teilnehmenden die Vielfalt der Sinti- und Roma-Communities kennen und beschäftigen sich mit Fragen rund um Sprache, Herkunft und Identität. Begegnungen mit Sinti und Roma, Musik und Tanz, eine „Living Library“ und interaktive Mythenchecks sorgen dafür, dass der Einstieg nicht bei der Theorie stehen bleibt. Auch gemeinsames Essen gehört dazu.

Am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, geht es um eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte: die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Die Jugendlichen fahren nach Berlin und besuchen das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Dort setzen sie sich mit der Geschichte auseinander, gedenken gemeinsam und kommen mit Fachstellen, Organisationen und Vertreter:innen aus der Politik ins Gespräch.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt anschließend auf der Geschichte vor Ort. Am 3. März geht es um die Deportation Solinger Sinti, Roma und Jenischen. Bei einer gemeinsamen Spurensuche erkunden die Jugendlichen historische Orte in Solingen und beschäftigen sich mit Biografien der Menschen, die von der Verfolgung betroffen waren. Sie wirken außerdem an der Gestaltung der Gedenkfeier am Mahnmal mit. Workshops bieten Raum für eine vertiefte Auseinandersetzung.

Am 8. April, dem Internationalen Tag der Roma, findet das Projekt mit einem Roma-Kulturfestival in Solingen seinen Abschluss. Eine Fotoausstellung zeigt Eindrücke und Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit in Berlin und Solingen. Zum Abschluss werden die Jugendlichen für ihr Engagement mit einem Zertifikat als „Antiziganismus-Expert:innen“ ausgezeichnet.

Vier Termine, vier unterschiedliche Zugänge und ein gemeinsames Ziel: Antiziganismus sichtbar machen, Vorurteile hinterfragen und Jugendlichen die Möglichkeit geben, selbst aktiv zu werden. „Aven Amenza“ versteht Bildung deshalb als Einladung zur Begegnung. Oder, um es mit dem Namen des Projekts zu sagen: Komm mit.

Interessierte Schulen und Lehrkräfte, die mehr über „Aven Amenza“ erfahren oder mit ihren Schüler:innen teilnehmen möchten, können sich an das Kommunale Integrationszentrum Solingen wenden:

Kasm Cesmedi                                                         Sabine Neef
0212/2903063                                                         0212/2902607
k.cesmedi@solingen.de                                            s.neef@solingen.de

Infoblatt Aven amenza