Ausgangslage im Handlungsfeld Schule

Rechtsextremismus, Demokratie- und Menschenrechtsfeindlichkeit sind Ph√§nomene, die √ľberall in¬†der Gesellschaft auftauchen und damit auch an den Schulen in der Bundesrepublik Deutschland zum¬†Alltag geh√∂ren k√∂nnen. Die Erscheinungsformen k√∂nnen dabei sehr vielf√§ltig sein. Von alltagsrassistischen¬†√Ąu√üerungen einzelner Sch√ľlerinnen und Sch√ľler, √ľber rechtsextrem motivierte Aussagen im¬†Unterricht, bis hin zum Anwerben von Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern durch rechtsextreme Jugendgruppen¬†werden Schulen mit vielf√§ltigen Herausforderungen konfrontiert.

Schulen haben auf Grund ihres staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrages eine besondere Aufgabe,¬†bei deren Erf√ľllung sie sich auf universelle Rechte und geltendes Gesetz beziehen k√∂nnen, wie¬†dem Grundgesetz und der Allgemeinen Erkl√§rung der Menschenrechte.¬†Somit sind rassistisch diskriminierende √Ąu√üerungen, Vorf√§lle und Praktiken an Schulen nicht nur als¬†allgemein mangelndes Sozialverhalten zu verstehen, sondern stehen auch geltendem Recht entgegen.

Das Gleiche gilt f√ľr √Ąu√üerungen und Aktivit√§ten, die die Staatsform der Demokratie in Frage¬†stellen und ‚Äědie von der rassisch oder ethnisch bedingten sozialen Ungleichheit der Menschen ausgehen (‚Ķ)‚Äú und somit als rechtsextremistisch einzuordnen sind. Eine weitere Grundlage bildet der Bildungs-¬†und Erziehungsauftrag, wie er in ¬ß2 Artikel 6 des Schulgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen festgeschrieben ist: Sch√ľlerinnen und Sch√ľler sollen lernen

  • die eigene Meinung zu vertreten und die Meinung anderer zu achten,
  • in religi√∂sen und weltanschaulichen Fragen pers√∂nliche Entscheidungen zu treffen und Verst√§ndnis¬†und Toleranz gegen√ľber den Entscheidungen anderer zu entwickeln,
  • Menschen unterschiedlicher Herkunft vorurteilsfrei zu begegnen, die Werte der unterschiedlichen¬†Kulturen kennenzulernen und zu reflektieren sowie f√ľr ein friedliches und diskriminierungsfreies¬†Zusammenleben einzustehen,
  • die grundlegenden Normen des Grundgesetzes und der Landesverfassung zu verstehen und¬†f√ľr die Demokratie einzutreten.

Viele Schulen gehen diesem Auftrag auch au√üerunterrichtlich nach und erw√§hnen die entsprechenden¬†Ziele in ihrem Schulprogramm oder Leitbild. Um diesen Aspekt des Bildungs- und Erziehungsauftrags¬†wirkungsvoll erf√ľllen zu k√∂nnen, ben√∂tigen Schulen eine Pr√§ventionsstrategie gegen Rechtsextremismus¬†und Rassismus, zu der eine Qualifizierung aller Beteiligten und konkrete Handlungsstrategien¬†geh√∂ren.

Die Auseinandersetzung mit Diskriminierung und demokratiefeindlichen Tendenzen wird sowohl in der Forschung als auch in der p√§dagogischen Praxis oft als eigenst√§ndiger, abgeschlossener Themenkomplex behandelt. In anderen Themenfeldern werden wiederum die F√∂rderung von Teilhabe, Anerkennung von sozialer Vielfalt und einem guten sozialen Miteinander bearbeitet, ohne dass diese Felder miteinander in Verbindung stehen.¬†Der Ansatz des Projektes NRWeltoffen in Solingen basiert jedoch auf der Annahme, dass nur eine tiefgehende Verkn√ľpfung sowohl auf Ebene der kritischen Analyse, wie auf der Ebene der p√§dagogischen Pr√§vention und Intervention erfolgversprechend ist.

Diskriminierungserfahrungen sind immer mit der Erfahrung von Ohnmacht verbunden, der¬†wiederum strukturell entgegengewirkt werden muss, indem gesellschaftliche Teilhabe und Anerkennung¬†gesteigert werden. Von der anderen Perspektive aus beobachtet sind Menschen, die sich gesellschaftlich¬†anerkannt f√ľhlen und gesellschaftspolitisch teilhaben k√∂nnen, weniger gef√§hrdet, demokratiefeindliche und rassistische Tendenzen zu entwickeln. Daher wurden in allen Phasen der Projektentwicklung¬†diese ‚Äězwei Seiten derselben Medaille‚Äú so weit wie m√∂glich zusammen gedacht und diskutiert. In diesem Sinne sind sowohl die Bestands- und Bedarfsanalysen, als auch die daraus konsequent¬†abgeleiteten Ziele und Ma√ünahmen auf dieses gesamte Themenspektrum hin angelegt.

Die Entwicklungen im Handlungsfeld Schule wurden wie in allen Handlungsfeldern durch die st√§ndigen¬†Mitglieder der ‚ÄěAG Demokratie und Menschenrechte‚Äú (AGDM Schule) begleitet. Folgende Fachvertretungen nahmen an der AGDM Schule teil:

  • Vertretung des Jugendstadtrats
  • Vertretung der Bezirkssch√ľlervertretung
  • Lehrkraft oder Vertretung der Schulsozialarbeit im Netzwerk ‚ÄěSchule ohne Rassismus- Schule¬†mit Courage‚Äú
  • Sch√ľlervertretung im Netzwerk ‚ÄěSchule ohne Rassismus-Schule mit Courage‚Äú
  • Vertretung der Schulleitungen

Mit einer Vertretung der Stadtelternpflegschaft wurde Kontakt hergestellt und Absprachen getroffen.¬†Durch die verschiedenen Perspektiven und in der Schullandschaft gut vernetzten Akteurinnen und¬†Akteure konnte eine inhaltlich detailreiche Bestands- und Bedarfsanalyse durchgef√ľhrt werden, deren¬†Ergebnisse von verschiedenen Beteiligtengruppen intensiv diskutiert, bewertet und mit Schlussfolgerungen¬†versehen wurden.