Gedenken an Pogromnacht 2019

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Erkl├Ąrung gegen Antisemitismus
Am Ort des Bunkers stand bis 1938 die Solinger Synagoge. Foto: Daniela Tobias

Anders als in den letzten Jahren fand das Gedenken an die Novemberpogrome aufgrund des Shabbat erst am Abend des 9. November statt. Am Bunker auf dem Schulhof des Gymnasiums Schwertstra├če versammelten sich gegen 18:30 Uhr etwa 100 Solinger B├╝rgerinnen und B├╝rger, um an die Gewaltexzesse in der Nacht vom 9. auf den 10. November zu erinnern, als in Solingen wie in ganz Deutschland die Synagogen brannten, Gesch├Ąfte und Wohnungen j├╝discher Nachbarn zerst├Ârt und gepl├╝ndert wurden, ihre Inhaber und Bewohner bedroht, misshandelt und auch ermordet wurden.

Leonid Goldberg fiel es als Vorsitzendem der J├╝dischen Kultusgemeinde Wuppertal sichtlich schwer, Jahr f├╝r Jahr aufs Neue antisemitische Vorf├Ąlle aus dem vergangenen Jahr aufzuz├Ąhlen. Es sei Zeit zu Handeln und nicht mehr nur Besorgnis auszudr├╝cken. Wenn Juden angegriffen werden, m├╝sse sich die Gesellschaft sch├╝tzend vor sie stellen. Ebenso mahnte er deutlichere Urteile der Justiz zu antisemitischen Vorf├Ąllen an. Diese d├╝rften nicht weiter verharmlost und relativiert werden.

Oberb├╝rgermeister Tim Kurzbach rief dazu auf, angesichts zunehmender Hetze und Spalterei aktiv auf andere zuzugehen, einen Bekanntenkreis aufzubauen, der auch scheinbar fremde Nachbarn einschlie├čt, den Dialog zu suchen und sich dabei bewusst aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen.

Stadtdechant Michael Mohr erinnerte im Namen des Arbeitskreises Christlicher Kirchen an das Gebot der N├Ąchstenliebe. Auch er mahnte mehr Zivilcourage und aktives Handeln an. “Da ist noch Luft nach oben, auch bei mir”, gestand der katholische Pfarrer.

Finn Grimsehl-Schmitz sprach f├╝r den Jugendstadtrat und forderte eine st├Ąrkere politische Bildung, die gegen faschistische Str├Âmungen wappne. Es reiche nicht, mit dem Finger auf Jugendliche zu zeigen, die offen f├╝r nationalistische und antidemokratische Ideologien sind. Hier m├╝sse man sich fragen, ob die Schule hinreichend Vorbild sei, sich dem zu widersetzen.

Bevor die Besucher mit Kerzen durch den benachbarten Maltesergrund zum Haus der Jugend zogen, sprach Rabbiner David Vinitz ein Gebet f├╝r die in der Shoah ermordeten J├╝dinnen und Juden.

Hier fand im Anschluss die Jugendveranstaltung “together we shine” statt. Bereits im Park sang der Chor Voices der Friedrich-Albert-Lange-Schule, der auch das von Sinja Waldmann moderierte Programm der Jugendlichen gegen 20 Uhr er├Âffnete. Mit Musik von Boum, Notyzz und Belakongo, Theaterszenen des Projekts “Nicht in meinem Namen!” und Poetry-Slam-Beitr├Ągen von Mitgliedern des Jugendstadtrats┬á wurde sowohl an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht, sowie ein Zeichen f├╝r Toleranz und Vielfalt gesetzt. Daniela Tobias vom Unterst├╝tzerkreis Stolpersteine las aus den Erinnerungen von Bella Taback, die als Siebenj├Ąhrige den brutalen n├Ąchtlichen ├ťberfall auf ihre Familie in Solingen w├Ąhrend der Pogromnacht erlebte.

Die Teilnehmer der beiden Veranstaltungen konnten Kerzen und Adress-Zettel mitnehmen, um sich an der Aktion “Ein Licht f├╝r Stolpersteine” zu beteiligen.