Liebe Solingerinnen und Solinger,
werden wir gefragt, ob wir in unserer Stadt auf der Grundlage der Menschenrechte, mit gleichen Chancen für alle, offen, vielfältig, frei gleich und fair leben wollen, dann fällt die Antwort leicht: Ja, selbstverständlich wollen wir das!
Doch die Frage, ob uns das im wirklichen Leben ausreichend gelingt, ist nicht so einfach zu beantworten.
Die Fragebogenaktion, die das Diakonische Werk an Solinger Schulen im Rahmen der Vorarbeiten für das Handlungskonzept in den Jahren 2017 und 2018 durchgeführt hat, machte vielmehr deutlich, dass wir uns nicht auf den Lorbeeren unserer Integrationsarbeit ausruhen können:
Wenn fast die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler nicht weiß, was am 29. Mai 1993 in Solingen geschehen ist und nahezu jeder zweite Befragte mit Migrationshintergrund in seinem jungen Leben Benachteiligungserfahrungen gemacht hat, ist das kein gutes Zeichen. Es ist aber ein starker Hinweis dafür, dass wir in der Aufklärungsarbeit neue Impulse setzen müssen: in der Aufklärung zu Demokratie, Weltoffenheit, Teilhabe und Toleranz, in der Aufklärung über die Konsequenzen von Rassismus, Nationalismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Ich bin dankbar, dass das Diakonische Werk die Aufgabe übernommen hat, die Erarbeitung dieses Handlungskonzeptes zu koordinieren und in guter Kooperation mit dem Stadtdienst Integration auf den Weg zu bringen. Das Land unterstützte den Prozess aus dem Förderprogramm NRWeltoffen für ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander – gegen Rechtsextremismus und Rassismus.
Das hier vorliegende Solinger Konzept formuliert wesentliche Ziele für die kommenden Jahre. Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgesellschaft haben sich daran beteiligt und werden die Umsetzungsschritte unterstützen. Ihrem Einsatz gilt mein ganz großer Dank. Denn das Konzept wird helfen, dem demokratischen Zusammenleben und der Vorbeugung gegen Rassismus gezielte Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Mein Herzensanliegen ist: Gehen wir sorgsam mit unserem Solingen um. Werben wir dafür, die Einzigartigkeit und Vielfalt der Menschen in unserer Stadt als Stärke zu begreifen und als einen Wert. So dienen wir dem demokratische Zusammenleben und dem Frieden unserer Stadtgesellschaft!
Tim Kurzbach, Februar 2019[/bg_collapse] [bg_collapse view=“link“ color=“#7cad22″ icon=“arrow“ expand_text=“Grußwort Horst Koss, Diakonisches Werk im Kirchenkreis Solingen“ collapse_text=“verbergen“ ]Grußwort Horst Koss, Diakonisches Werk im Kirchenkreis Solingen
Zur Umsetzung des Projektes „NRWeltoffen: Lokale Handlungskonzepte gegen Rechtsextremismus und Rassismus“ hat das Diakonische Werk des Ev. Kirchenkreises Solingen einen Weiterleitungsvertrag mit der Stadt Solingen geschlossen. Damit wurde das Diakonische Werk in Kooperation mit dem Stadtdienst Integration mit der „Erstellung eines lokalen Handlungskonzeptes zur Prävention vor Rassismus und Rechtsextremismus in Solingen“ beauftragt.
Zur Durchführung wurde für den Zeitraum vom 1.06.2017 bis 31.12.2018 beim Diakonischen Werk eine Fach- und Koordinierungsstelle eingerichtet und die Firma „context – interkulturelle kommunikation und bildung GbR“ mit der externen Prozessbegleitung beauftragt. Die Abstimmung über die Beauftragung des Diakonischen Werkes erfolgte in Gesprächen mit dem Verwaltungsvorstand der Stadt Solingen und in der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Solingen.
Wir danken für das Vertrauen, mit der Erstellung eines lokalen Handlungskonzeptes einen wichtigen gesellschaftspolitischen Impuls für unsere Stadt setzen zu können.
Neben dem gesellschaftspolitischen Impuls beteiligen wir uns als kirchlicher Wohlfahrtsverband daran, einen kirchlichen Beitrag gegen nationalistische, fremdenfeindliche und rassistische Weltbilder zu leisten. Im Themenheft „Rechtsextremismus: Nicht mit uns!“ hat die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) bereits im Jahr 2014 Position bezogen. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, stellt in seinem Vorwort zu diesem Themenheft fest: „Rechtsextremes Gedankengut ist kein Randphänomen in unserer Gesellschaft. Studien belegen eine erschreckend hohe Zustimmung zu juden-, fremden- und islamfeindlichen Aussagen. Vorurteile und Ressentiments stiften Unfrieden und Leid…“
Die Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Solingen, Frau Dr. Ilka Werner, verdeutlicht im oben genannten Themenheft „Kirche gegen rechtes Denken“ den theologischen Ansatz wie folgt: „Der Zuspruch der Gottesebenbildlichkeit und der Anspruch der Nächstenliebe fordern christliches Handeln heraus zur Anwaltschaft für alle, die von Ausgrenzung und Abwertung betroffen sind. Der Festschreibung des Anderen auf seine Andersartigkeit und der grundsätzlichen Diskriminierung von Einzelnen oder Gruppen aufgrund von Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, religiöser Überzeugung oder sexueller Orientierung muss darum aus theologischen Gründen widersprochen werden.“
Horst Koss, Februar 2019[/bg_collapse]
Das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenkreises Solingen hat zum 1. Juni 2017 die Aufgabe des Projektträgers übernommen und arbeitet in enger Kooperation mit dem Stadtdienst Integration in einer Lenkungs- und Koordinierungsgruppe. Unterstützt und moderiert wird das Projekt durch eine kontinuierliche externe Prozessbegleitung durch die context – interkulturelle kommunikation und bildung GbR aus Köln.
Darüberhinaus wurde zu jedem Handlungsfeld eine „Arbeitsgemeinschaft Demokratie und Menschenrechte“ (AGDM) gebildet. Neben der Lenkungs- und Koordinierungsgruppe gehören den AG eine Vertreter*in des Zuwanderer- und Integrationsrates, eine Vertreter*in des Beirates „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage“ und weitere handlungsfeldspezifische Fachvertretungen an. Auch diese Steuerungsgruppe wurde durch die externe Prozessbegleitung moderiert und beraten.

Der Prozess zur Erstellung des Handlungskonzeptes wurde bewusst partizipativ ausgerichtet. Durch die offene Kommunikationsform des Projektes NRWeltoffen konnte der Erarbeitungsprozesses transparent gestaltet werden. Die kontinuierliche neutrale Moderation durch die externe Prozessbegleitung ermöglichte einen guten Austausch in der Gruppe.









